Fliegenfischen - Streamer, auf die Hechte stehen

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von Armin Miltenberger

Nun, daß man Hechte und viele andere heimischen Raubfische mit der Fliegenrute überlisten kann ist mittlerweile allgemein bekannt. Man benutzt dazu große Reizfliegen, sogenannte "Streamer". Ich selbst begann erst vor wenigen Jahren damit, gelegentlich mit der Fliege auf Hecht zu fischen. Mit den ersten, sehr bescheidenen Erfolgen bekam ich jedoch so richtig Spaß an dieser Fischerei von der ich meine, daß Sie Ihre Aufmerksamkeit längst verdient hätte.


Historie

Die ersten schriftlichen Zeugnisse übers Fliegenfischen auf Hecht sind bereits um das Jahr 1800 in England entstanden. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß Menschen in verschiedenen Teilen der Welt schon Jahrhunderte vorher mit Hilfe bunter Vogelfedern versucht haben, Hechte zu fangen.


Meine Ausrüstung

Wer in unseren modernen Tagen Hechten mit der Flugangel nachstellen möchte, sollte eine Fliegenrute der AFTMA-Klasse 8-9 verwenden. Meine eigene Gerte mißt 2.70m, das entspricht 9 Fuß. Solche Ruten besitzen eine vergleichsweise harte Aktion, was sich beim Werfen großer Fliegen und schwerer Schnüre schnell als Vorteil erweist. Außerdem ermöglichen schnelle Aktionsformen ein sichereres Anschlagen der Fische. Eine anschraubbare Griffverlängerung, genannt "Fighting Butt", ermöglicht die Bedienung der Fliegenrolle, auch wenn es im Drill erforderlich sein sollte, die Rute einzustemmen. Eine robuste Fliegenrolle aus Leichtmetall - eventuell mit Scheibenbremse - gehört auch dazu. Ob man eine einfache Rolle oder ein übersetztes Modell wählt, ist eher Geschmackssache. Entscheidende Vorzüge hat eigentlich keine der bei- den Varianten. Die Rolle sollte injedem Fall eine Flugschnur vom Typ WF9 sowie etwa 70 Meter Füllschnur auf- nehmen können. Diese sog. "backing-line" wird ausschließlich beim Drill kapitaler Fische benötigt. Üblicher- weise verwendet man hierfür 20lb Dacron-Multifil. Die modernen Dyneema-Schnüre sind wegen ihres geringen Durchmessers zum Drillen von der Hand ungeeignet. Auf geeignete Hechtvorfächer werde ich etwas später noch genauer eingehen.


Technik

Wer große Streamer wirft, sollte sich stets darüber im Klaren sein, daß ein durch die Luft sausender Haken der Größe 6/0 eine gewisse Gefahr für den Angler und jeden, der sich in seiner Nähe aufhält, in sich birgt. Es ist daher ein kluger Rat, eine Brille und eventuell auch einen Hut zu tragen. Schaulustige Passanten sollte man mit einigen freundlichen Worten auf Distanz halten. Um das Verletzungsrisiko gering zu halten, sollte man besonders bei windigen Verhältnissen nur den Überkopfwurf praktizieren. Wer den Doppelzug anwenden kann, fischt natürlich speziell bei starkem Wind entspannter. Rollwürfe und andere Spezialwürfe sind nicht erforderlich. Auch gutgemeinte Distanzwürfe bringen in der Regel keine Extrafische ein.


Geeignete Reviere

Meist werden mit der Streamerrute die seichteren Uferbereiche eines Stillwassers befischt. Schilfkanten, Krautlöcher und einzelne Felsen sind hier gute Stellen. Dort lassen sich das ganze Jahr hindurch kleinere Hechte fangen. Diese oberflächennahe Angelei bietet dem Fischer oft spektakuläre Anbisse und Attacken. Dazu empfiehlt sich die Verwendung schwimmender (Floating-Lines) oder schwebender Schnüre (Intermediate-Lines). Wer mit dem Streamer Großhechte überlisten möchte, sollte es wenn möglich schon im zeitigen Frühjahr an den bereits erwähnten Plätzen versuchen. Natürlich können hartnäckige und ausdauernde Fliegenfischer auch im Herbst gute Fische fangen. Kombiniert man komplett oder teilweise sinkende Leinen (Sinking-/Sink- Tip-Lines) mit eigenschweren Fliegen, so kann man den Streamer in Tiefen von bis zu fünf Meter anbieten.

Somit kann man kleinere Seen bis zur Eisbildung befischen. Diese Fischerei erfordert aber insbesondere an "bewirtschafteten" Gewässern ein gehöriges Maß an Geduld und Ausdauer. Auch strömungsarme Bereiche kleinerer Flüsse sowie die Buhnenfelder unserer Ströme lohnen stets einen Versuch. In der Regel fischt man watend. In schlickigen Gewässern sollte man sich mit einem langen Seil am Ufer befestigen. Wer in solchen Gewässern ohne Sicherung bzw. ohne Begleitung fischt, riskiert sein Leben!


Belly-Boot

Neben der Watfischerei gewinnt auch das Fischen vom Belly-Boot aus immer mehr Freunde. Es ist einfach gesagt ein Schwimmreifen mit Hosenboden und Hosenträgem.

Der darin dümpelnde Fischer kann sich durch die Gummiflossen an seinen Füßen langsam fortbewegen. Diese etwas ulkige Lösung bietet dem Angler ein größeres Maß an Flexibilität und ermöglicht auch das Befischen stark be- wachsener Ufer. Natürlich kann man die Streamerfischerei auch auf traditionellen Angelbooten ausüben. Sind zwei Fischer in einem Boot, so darf natürlich immer nur einer von beiden werfen.


Vorfach

Bevor wir nun die Fliegen etwas näher betrachten, möchte ich Ihnen kurz meine Erfahrungen mit Vorfächern darlegen. Da ich zum Hechtangeln nie etwas anderes als ein Stahlvorfach benutzt habe, war dieses Material auch meine erste Wahl, als ich mit dem Fliegenfischen auf Hechte begann. Das bis dato allen Anforderungen genügende

Material zeigte sich den ruckartigen Belastungen beim Wurf jedoch nicht gewachsen. Auch seine Anfälligkeit gegen Knicke machte es sehr unzuverlässig bei dieser Art der Fischerei. Die Verwendung starker, nylonummantelter Vorfächer schien fast unvermeidbar. Da die Domäne der Streamerfischerei aber nun einmal in klaren, sonnendurchfluteten Gewässern liegt, wurde doch noch eine andere Lösung gefunden. Einige Fliegenfischer erinnerten sich daran, wie früher vielerorts auf Hecht geangelt wurde - Nämlich mit extrem starken Monofil - Vorfächern. Nach ersten Experimenten stellte man fest, daß man auf dem richtigen Weg war. Ich selbst benutze heute ein Nylon, welches üblicherweise als Salzwasservorfach benutzt wird. Mit dieser Art von Vorfachern habe ich bisher noch keine unangenehmen Überraschungen erlebt. Mein Vorfach sieht üblicherweise etwa so aus:
Natürlich kann es Gründe geben, daß Vorfach länger oder kürzer zu binden. Hier sind Ihre persönliche Erfahrungen einfach das Maß der Dinge.


Streamerwahl

Zum Fischen auf Hecht haben sich verschiedenste Fliegentypen und Muster bewährt. Auch hier möchte ich Sie ermutigen, Ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Beobachten Sie, wie sich das Volumen des Streamers im Wasser verändert und probieren Sie verschiedene Größen und Gewichtsklassen aus. Zu den wichtigsten Eigenschaften eines Hechtstreamers gehört das Gewicht der Fliege. In Kombination mit dem für den Körper verwendeten Material definiert es das Absink- oder Auftriebsverhalten. Somit beeinflußt das Gewicht die "Lauftiefe" bzw. die Einholgeschwindigkeit. Eine entscheidende Rolle kann auch die Kopfform der Fliege spielen. Sogenannte "Popper" und "Diver" erinnern mit ihrer Kopfform an Jerkbaits und Wobbler.

Entsprechend werden diese Streamer eingesetzt. Manche Streamer besitzen Augen aus Metall oder Glas. Diese haben primär den Zweck "Gewicht zu machen", obwohl die Augen eines Beutefisches für den Raubfisch vielleicht auch einen Schlüsselreiz darstellen. Die Farbe erscheint mir unter denen, für diese Fischerei geeigneten Bedingungen, eher unwichtig zu sein. Dies könnte eventuell auch daran liegen, daß der Streamer sehr lange im Gesichtsfeld des Räubers bewegt werden kann. Irgendwann ist der Räuber wahrscheinlich so gereizt, daß er den Köder angreift, unabhängig davon ob er jemals ein ähnliches Beutetier gesehen hat. Man muß also nicht unbedingt auf die Freßgewohnheiten des Räubers setzen, um erfolgreich zu sein!


Technik des Streamerfischens

Das Einholen des Streamers sollte nach meiner Erfahrung langsam, mit unterschiedlich langen Rucken (5-50cm) und unregelmäßigen Pausen (0.5-10 Sek.) erfolgen. Die Stärke des Streamers liegt neben seiner Langsamkeit wohl darin, daß der Hecht immerzu mit Bewegungen konfrontiert wird, welche er so nicht erwarten konnte. Im Gegensatz zu einem Spinner oder Wobbler, dessen Lauf vorherbestimmt ist, erkennt der Raubfisch hier schon nach kurzer Beobachtung, daß die vermeintliche Beute jederzeit einen erfolgreichen Fluchtversuch unternehmen kann. Popperfliegen haben stets Auftrieb und werden mit kurzen und harten Rucken in die Wasseroberfläche "hineingezogen". Mit diesen Streamern versucht man Mäuse, Ratten, Frösche oder Entenküken zu imitieren. Diese Tiere spielen in der Ernährung unserer Hechte eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ich hoffe, dieser Beitrag läßt Sie Ihre letzte Scheu davor verlieren, es einmal anders auf Hechte zu versuchen.

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