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Der Hecht
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Extrem angeln oder Extremangeln !?
von Tobias Werny
Achtung I!
Eigentlich wollte ich diesen Artikel mit „Mut zum Risiko“ betiteln. Doch nach mehrmaligem Überdenken, Drehen und Wenden, bin ich davon abgekommen, denn mir ist klar geworden, dass die Risikobereitschaft, die dieses Thema anspricht, gleichzeitig die Gefahr der (Selbst-)Überschätzung beinhaltet. Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, doch möchte ich von vorn herein klarstellen, dass dieser Artikel nicht als Aufforderung zu übermütigem oder gar leichtsinnigem Verhalten beim Angeln verstanden werden soll. Das Risiko, dass man eingeht, sollte man stets gut gegen die Gefahren abwägen, die sich daraus ergeben können.
Doch worum soll es denn jetzt überhaupt gehen? Ich möchte hier einige Situationen schildern, die mir in den letzten zwei Jahren widerfahren sind und die mir mehrfach bestätigt haben, dass sich eine gesteigerte Bereitschaft Mühen auf sich zu nehmen, auch auszahlt.
Das Loch im Schlauchboot
Zuerst fällt mir da der Zander von 13 Pfund ein, den ich letzten Spätsommer am hiesigen Stausee fing. Auch wenn es nicht der absolute Riesenfisch war, so ist er mir dennoch in guter Erinnerung. Aufgrund der enormen Hitze des Sommers war der See weit über das normale Maß abgelassen, was dazu führte, dass eine weit in den See ragende Landzunge (ca. 300 m) komplett trocken fiel. Es war damals schon etwas kühler, windiger und regnerischer und nach und nach wurden die (Karpfen-)Angler, die den Sommer über den See „belagerten“ weniger und diejenigen, die noch am See waren, suchten die gut zu erreichenden Stellen auf. Natürlich fiel die Landzunge sofort auf, wenn man an den See kam, doch niemand schien sich dazu durchringen zu können auch wirklich sein Angelzeug dorthin zu schaffen. Ich war auch erst skeptisch, doch nachdem ich nach einer nachmittäglichen Stippvisite einen noch besseren Eindruck von der Stelle hatte, stand fest, dass ich dort hin musste. Am besten für mehrere Tage. Diese Trips über mehrere Tage, die ich gern in Angriff nehme, bedingen allerdings immer auch ein gesteigertes Quantum an Ausrüstung. Zelt, Liege, Verpflegung etc. müssen also irgendwie zum „Ort des Geschehens“ gebracht werden und so war es auch dieses Mal. Nach längerer Überlegung, beschloss ich mein Gepäck mittels meinem ca. 2m langen „Badeboot“ zu transportieren, da ich so alles auf einmal mitnehmen konnte und den Weg nur einmal machen musste. Das Gummiboot hatte ich schon den Sommer hindurch benutzt und es wies bereits die ersten Flickstellen auf, dennoch wagte ich den Versuch, es mit dem „Nötigen“ für 4 Tage Angeln zu beladen. Es hielt und ich konnte es watend (Denn für mich war natürlich kein Platz mehr im Boot) am Ufer entlang zur Spitze der Landzunge ziehen. Wie gesagt, es war recht windig und so bestand die Notwendigkeit, nicht nur das Boot bis zur Spitze der Landzunge zu ziehen, sondern auch noch das beladene und durch den Wind hin und her schlingernde Gummiding von den aufgrund des Niedrigwassers freiliegenden Baumstümpfen und ihren spitzen „Luftwurzeln“ fernzuhalten. Doch auch dies gelang und so hatte ich tatsächlich nach etwa zwei Stunden mein ganzes Zeugs „vor Ort“ und aufgebaut. Als nächstes, und hier komme ich wieder auf die Einleitung zu sprechen, fuhr ich dann meine Köderfische raus. Natürlich mit dem Badeboot. Im Nachhinein gesehen war das ein recht heikles Unterfangen, denn der Wind brachte auf dem Stausee ordentliche Wellen zusammen. Idiotisch wurde es aber spätestens ab dem zweiten Tag, als nämlich der erste der Flicken seinen Geist auf- und in der Folge Luft vermehrt abgab. Dennoch wusste ich - das hatte sich bereits herausgestellt -, dass die Köderfische nur in einer bestimmten Entfernung, hinter dem alten Flussbett Erfolg versprachen, weit entfernt von jeder möglichen Wurfweite. Der Luftverlust wurde sogar so groß, dass ich mich beim Nachpumpen fragte, ob überhaupt noch Luft im Boot blieb und am Abend vor der letzten Nacht hätte ich das Rausfahren fast ganz aufgegeben.
Irgendwer hat mich dann aber doch noch dazu genötigt. (War ich das?) Und siehe da, gegen ein Uhr da werd` ich plötzlich wach und nur, weil irgendein Piepser recht immensen Lärm macht. Es hat ein Weilchen gedauert bis ich einsah, dass es wohl meiner sein muss. Jedenfalls war das der Zander. Für mich zeigt dieses Erlebnis beispielhaft, dass sich besonderer Einsatz auch besonders lohnt, zumal mir beim erneuten Vorstellen nicht nur der Fisch, sondern die ganze Situation und die Stimmung als besonders in Erinnerung ist. Das war schon was so bei Weltuntergang, Regen, dicken schwarzen Wolken, Wind bis kurz vor Sturm mitten im See (die Landzunge war an der Spitze nur etwa 60 m breit) in einem Schirmzelt zu sitzen, „fernab“ jeder Zivilisation.
Achtung II!
Dennoch kann man das Rausfahren mit diesem Boot und bei den Bedingungen nicht anders als mit „leichtsinnig“ beschreiben. Ich denke, dass Angelsituationen die besonderen Einsatz „verlangen“, übermäßig oft auch ein erhöhtes Risiko für leichtsinnige Handlungen beinhalten. Einfach schon deshalb, weil sich viele dieser Situationen recht kurzfristig ergeben bzw. dahingehend ändern können (manchmal innerhalb von ein paar Minuten), dass erst ein gesteigerter Einsatz den Erfolg beim Angeln beschert. Eben deshalb aber läuft man auch Gefahr die Situation leicht falsch einzuschätzen und sich in Gefahr zu begeben. Alle Bootsangler sollten sich hier angesprochen fühlen und die meisten dürften dies auch bestätigen können, denn sie sind wohl die Gruppe der Angler, denen solche Situationen am ehesten als „existentielle Gefahr“ begegnen. Doch auch für Watangler beispielsweise, kann sich eine Selbstüberschätzung bzw. eine Fehleinschätzung einer Situation rasch in eine gefährliche Situation verwandeln. Bei allen steht dem gegenüber immer die Aussicht oder zumindest die Hoffnung auf einen guten Fisch, einen günstigen Moment, eine spezielle Stelle usw. Und manchmal ist es einfach schier unmöglich dieser Aussicht, dieser Hoffnung zu widerstehen, schließlich ist sie doch die Grundlage unseres Hobbys.
Aus 10 Minuten mach 1,24 Meter
Doch es gibt auch andere, ungefährlichere Situationen in denen ein bisschen Mehraufwand ein mehr an Erfolg bringt. Ganz aktuell kann ich da die letzte Sitzung mit einem Kumpel an einem kleinen Teich anführen. Wir waren auf Wels aus, von denen noch ein paar Exemplare in dem Tümpel rumschwimmen sollten. Wir wollten nur schnell abends noch ein paar Stunden bis in die Nacht hinein angeln. Da der Teich so klein war, platzierten wir die Köderfische einfach mittels einer Abreißleine, die wir am anderen Ufer fixierten, in der Mitte des Teichs. Als sich nach zwei Stunden noch nichts getan hatte, wurde mein Kumpel langsam unruhig und bemerkte immer mal, dass er sich nicht sicher sei, ob sich der Köderfisch nicht beim Auslegen verwickelt hätte oder am Grund irgendwie hänge, da sich die Pose, im Gegensatz zu der zweiten, nicht mit dem Wind hin und her bewege. Da es aber bereits zu regnen angefangen hatte blieb es noch eine weitere Stunden bei diesen Überlegungen, ehe er sich entschloss doch noch einmal nachzusehen. Also ging er um den Teich und zog die Pose zu sich, ich assistierte an der Rute und gab Schnur nach. Er hatte recht und musste den Köfi von einem Ast befreien, der sich ins Vorfach verdreht hatte. Nachdem die Pose noch etwas flacher gestellt war, kam der Köderfisch wieder in die Mitte des Teichs und mein Kumpel nach zehn Minuten leicht durchnässt wieder unter den Schirm. Es dauerte keine viertel Stunde, als - mehr unbewusst bemerkt, als wirklich gesehen- das Knicklicht verschwand. Noch ehe wir reagierten, bestätigte der Freilauf der Rolle unsere unausgesprochene Ahnung mit einem zähen Kreischen. Nach einem wirklich aufregenden Drill an einer 3lbs Karpfenrute (Ich musste als Nichtraucher meinem Kumpel eine Zigarette anrauchen und übergeben, weil er sonst wahrscheinlich die Schnur vor Aufregung durchgezittert hätte.), kam ich als „Wallergriffexperte“ (War schon meine zweite Landung!) zum Zuge und landete den 1,24 m langen Wels.
„Voll extrem, äh!“
Wie gesagt, dieses Ereignis kam mir gerade wie gerufen in den Überlegungen zu diesem Artikel. Bestätigte es mir doch meine Erfahrungen, dass man erst mit der Gewissheit beruhigt angeln kann, dass mit den angebotenen Ködern und der Montage alles in Ordnung ist und dass darüber hinaus sich die Bemühungen diese Gewissheit zu erlangen doppelt auszahlen. Erstens, weil sie einen dazu treiben „verdächtige Schwachstellen“ beim Angeln nochmals zu überprüfen und man somit die „Fehlerquote“ beim Angeln minimiert und zweitens, weil sie das Angel nach der aufgenommenen Mühe angenehmer machen, wenn man weiß, dass möglichst alle Eventualitäten bedacht worden sind. Wenn man es so nimmt, stellen alle diese Bemühungen nur den Versuch da, mögliche Fehlerquellen auszuschalten und die Chancen des Angeltrips zu maximieren. Ich habe mir jedenfalls mittlerweile angewöhnt, mich selbst beim Angeln hin und wieder daran zu erinnern, dass ich ja zum Angeln ans Wasser gefahren bin und weiter, dass Angeln auch Aufwand bedeutet. Ich denke, dass ich, wenn ich regelmäßig und öfter als „Otto-Normal-Angler“ Erfolg haben will, auch ein mehr an Aufwand auf mich nehmen muss. Dass ich die Knoten exakter binden, die Haken öfter schärfen muss, dass ich die Köder öfter kontrollieren und genauer platzieren muss, dass ich die Angelstelle genauer kennen muss oder mir andere, unbeangelte Stellen suchen muss. Andersherum bedeutet dann dieser Mehraufwand, dass ich unterm Strich meinen Erfolg (der muss sich nicht nur in Zentimetern und Kilo messen lassen können) steigern kann.
Wenn das kein Extremangeln ist!?
