VÅRMELN - SCHWEDEN

(2 Bewertungen, Durchschnitt 3.00 von 5)

Endlich war es wieder soweit. Seit Oktober des Vorjahres schwelgten wir schon wieder während jedes Plausches am Telefon in Vorfreude und drillten Riesenhechte in Gedanken. Kim mein langjähriger Angelkollege aus der Schweiz, den ich eher zufällig in der Dominikanischen Republik beim Big Game Fischen kennenlernte und ich befischen den See Värmeln seit 1998 regelmäßig in der ersten Maiwoche eines jeden Jahres.
Nun fuhren wir wieder auf der A 7 in Richtung Norden, die Vorräte waren eingekauft, Angelausrüstung, Rutenhalter, , Kraftstoffbehälter, Batterien etc., verstaut, der Pick up war bis unters Dach beladen und der Diesel brummte dem Ziel entgegen. Nach einer Stunde Fährüberfahrt und der Brücke über den Öresund nach Malmö war ein guter Teil des Weges geschafft, in Norköpping betankten wir noch alle Benzinkanister und kamen gegen 04:30 an unserem Ferienhaus an. Arbeitsteilung : Kim packte aus, räumte ein, verstaute die Vorräte und montierte alle Ruten, ich brachte das Boot zu Wasser machte Motor und Echolot klar, tankte auf und vertäute die Planke mit den Rutenhaltern.

1. Tag, 29.04. Frühstück mit dampfendem Kaffee, schwarzem Tee und Eiern mit Schinken. Um ca. 08:00 ging es mit Schubkarre und Ausrüstung die 300m zum See hinunter. Es blies ein starker SW – Wind und wir stiegen im Regenzeug bei Dauerregen und 8°C ins Boot. Wir starteten mit fünf Ruten und gemischter Köderpalette 2 x fl. Rapala, 18cm, Barsch und Regenbogenforelle, 2 x sink. Rapala Makrele 18cm und Zalt gelb/schwarz 14cm, unmittelbar hinter der Schraube schleppten wir noch einen sink. Barsch 5 cm.....
Ich fische mit meinen Freunden Kim und Dirk nach folgendem Prinzip, das sich im Laufe der Jahre im Salz – wie im Süßwasser überall bewährt hat und auch die Unterschiede in der vorhandenen Ausrüstung, der Köderpalette und der Fülle im Geldbeutel ausgleicht : Ein Mann fährt und ist ausschließlich für das Boot und die Fotos zuständig, der zweite – fischt und zwar alle eingesetzten Ruten, wählt die Köder, montiert, versorgt den Fisch etc. Hat der Angler einen Fisch gefangen, wird gewechselt, der Steuermann fischt, der Angler steuert das Boot. Philosophie ist : das Boot, das Team fängt, nicht der Einzelne oder der am besten ausgerüstete Angler, der zufällig die richtigen Köder dabei hat. So haben immer alle an Bord gefangen, auch reichlich Meterhechte.

Mit dieser Methode haben alle im Team die gleichen Voraussetzungen, aus der vorhandenen Ausrüstung wird das optimale Gerät ausgesucht und eingesetzt. Wir sind mittlerweile so eingespielt, daß wir wortlos wissen, was zu tun ist, erst bei Hechten ab ca. 90cm unter kleiner Fahrt die anderen Ruten einholen und den Fisch dann im Leerlauf oder mi kleiner Fahrt drillen. Diese Art zu fischen ist natürlich kein light tackle fishing, es werden kräftige Schleppruten, z.B., Sportex Kevpike mit 80 – 100g WG - , ausschließlich geflochtene Schnüre ab 12kg Tragkraft und entsprechende Rollen, wir fischen nur Shimano, eingesetzt. Wir versuchen möglichst schnell zu drillen und zu versorgen, mittlerweile landen wir auch mit dem Bogagrip, der für den Fisch wohl schonendsten Methode, früher bevorzugten wir ein kleines Gaff unmittelbar hinter der unteren Zahnreihe angesetzt. Handlandungen hatten besonders bei großen Hechten oder starker Gegenwehr zu eigenen ( Wobblerhaken im Arm ) – wie auch zu Verletzungen des Fisches ( abgerissener Kiemendeckel ) geführt.
...aufgrund unserer Gewässerkenntnis aus den vergangenen Jahren schleppten wir zielstrebig die bekannten Hotspots : „Bermudadreieck“, Pfahl I zu Insel, die Rinne, Pfahl II, roundlake ab, mußten aber wegen des starken Windes auf vier Ruten reduzieren. Trotzdem konnten wir schon am ersten Tag neun Hechte zwischen 30 und 80 cm landen. Ein eindeutiger Trend bezüglich der Köderwahl und Tiefe hatte sich noch nicht gezeigt. Wir fingen im Freiwasser in 4 – 6 m Tiefe mit sinkenden - , genauso wie in den flachen Bereichen der Buchten mit flach laufenden Wobblern zwischen 1m bis 1,5m. Die Laichzeit war offensichtlich noch nicht vorbei, einige Fische waren noch voll Rogen. In früheren Jahren lief an den ersten Tagen meist nichts oder wenig und wir benötigten Zeit um die gut laufenden Ködertypen und Farben herauszufinden. So biß in 1998 das Gros der Hechte auf orange, in 1999 auf firetiger - Modelle, in 2000 auf blau und braun. Von 2001 / 2002 an dominierten Barsch, Forelle und Minnow. Diesmal hatten wir gleich zu Beginn auch erstmals einen Zaltwobbler gelb / schwarz gestreift, tief laufend, mit Erfolg eingesetzt. Für den ersten Tag waren wir zufrieden und machten schon gegen 18:00 Schluß, die Nachtfahrt und die Müdigkeit forderten Tribut, bei dem kalten, nassen Wetter waren wir trotz guter Bekleidung auch ziemlich durchgefroren. Es war auch an der Zeit beim Nachbarn Ole Hallo zu sagen, die Angelkarten (vier Wochen à 100,- SKR) zu kaufen und ein Bier zu trinken. Am frühen Morgen wollten wir ihn nicht aufwecken, er schläft gern aus. Ole kramte die Fotos seiner letzten Jagderfolge heraus, wir hielten die Fotos unserer Fische dagegen, es kam wie es kommen mußte : es blieb nicht bei einem Bier.

2. Tag, 30.04. Die übliche Prozedur am Morgen lief ab : Frühstück, Brote, Kaffee, Getränke und Ausrüstung in die Schubkarre und auf zum See, das Wetter meinte es heute gut mit uns, bewölkt, mäßiger, drehender Wind, wenig Regen und Temperaturen bis 15°C, also gute Bedingungen. Da Kim sehr gern wirft, hatten wir heute die ersten Stunden für das Fischen in Buchten und an Schilfkanten eingeplant. So fingen wir auf dem Weg zum roundlake sechs Hechte bis 70cm, machten vor der Einfahrt zum See nochmals Halt und brachten noch einige kleine Hechte ins Boot.
14:00, Vesper vor Anker, danach schleppten wir frisch gestärkt in den See hinein, hatten die Ruten zum Seeufer hin mit flach laufenden Rapalas Husky, Forelle, Barsch, bestückt sowie mit einer blauen – und einer braunen Makrele im Tiefwasser entlang der Kante, hier ist das Echolot unabdingbar, denn nur damit läßt sich exakt an der Scharkante entlang fahren und die Hängergefahr minimieren.
Wir hatten eine gute Entscheidung getroffen und eine Konzentration von großen Hechten gefunden , die erst zum Teil abgelaicht hatten, wir schleppten bis 21:30 auf dem See und fingen an diesem Tag insgesamt 23 Hechte, darunter fünf - zwischen 86 und 98cm sowie sieben Meterhechte von 1,02m bis 1,22m und 27lb. Nun hatten wir auch die Köder – und Farbmuster gefunden, die Bisse verteilten sich gleichmäßig auf Forelle, Barsch und Husky jointed, 18cm. Wir wollten überhaupt nicht auf hören, mußten uns dann aber doch losreißen, denn 1,5 Stunden Rückweg, das Haus und den Steg bei Dunkelheit zu finden, das lag ja noch vor uns. Voller Euphorie kamen wir schließlich nach einigem Suchen glücklich an.

3. Tag, 01.05. Völliger Wettersturz, Sturm, Schaumkronen auf den Wellen, die Grenze um überhaupt hinausfahren zu können war aus meiner Sicht überschritten, die Wellen waren bis zu einem Meter hoch, à das hieß, erst einmal gemütlich und ausgedehnt frühstücken und abwarten. Gegen 11:00 starteten wir, erst mit Rückenwind zur großen Insel und schleppten dann um diese – herum im Windschatten, aber nur ein Winzling von vielleicht 40cm war bei dem Sturm so kühn im Freiwasser anzugreifen. Wir brauchten drei Stunden bis zum roundlake, warfen die Kanten vor dem Eingang ohne jeglichen Erfolg ab und fuhren dann in den See hinein. Wir schleppten nur noch drei Ruten und das Kurs halten war für den Steuermann eine Tortur. Wir fingen bis 18:00 weitere sechs Hechte u.a. 86 / 94 / 104cm, danach ging absolut nichts mehr. Wir fuhren zur Kannte am Eingang und machten völlig durchgeschüttelt, erst einmal Pause. Kim hielt es nicht lange auf dem Sitz und er fing mit Spinnern, statt Wobblern zu werfen an, er drillte Hecht auf Hecht, das riß mich dann natürlich auch mit, wir peitschten die Kante ab, aber kein Fisch über 70cm ließ sich locken, so das wir abbrachen und zurück schleppten, mittlerweile hatte sich das Wetter beruhigt, es wurde fast noch ein schöner Abend. Der Rückweg brachte auch nur kleine Hechte, die aber extrem aggressiv bissen, so das wir bei einer Tagesbeute von 18 - nur drei gute Hechte erwischt hatten. Schleppköder waren wiederum Regenbogen - , Bachforelle, Husky und Barsch.

4. Tag, 02.05. Herrliches Wetter, heiter, Sonne, der erste warme Tag, leichter Wind aus SW, kurzum T – Shirt – Wetter, wir starteten zeitig und warfen zu Kims Freude erst einmal die Buchten und Kanten vor dem See ab, Kim fischte Spinner, ich Blinker und Wobbler, alles fängig, brachte aber nur Kleine zwischen 40 und 60cm ins Boot. Ab 11:00 hatten wir völlige Beiß - Flaute. Wir beschlossen, etwas anderes zu probieren, fingen uns einige Köderfische und drifteten mit drei lebenden Köderfischen, unterschiedlich tief auf 1m / 2m / 3m gesetzt ca. zwei Stunden über den See, ohne Erfolg.
Wir klopften anschließend wieder den Eingang zum See ab, nichts, also Motor an, wir schleppten wieder fünf Ruten die Hotspots entlang und probierten alle möglichen Köderfarben aus. Hechte bis 76cm machten uns die Freude und ließen dann doch noch eine Tagesausbeute von 15 Hechten zu. Die Rückfahrt mit phantastischem Licht, herrlicher Landschaft und vielen Kontrasten war einfach gigantisch, Schweden hat auch in dieser Hinsicht viel zu bieten, wenn man es sehen kann.

5. Tag, 03.05. Schwarze Wolken, Dauerregen, drehende, böige Winde, wir starteten gegen 10:00, schleppten bis zum See, fingen aber nur einen 60er auf Turus Ukko firetiger, auch die Kanten am See brachten nur vier kleine Hechte bis 65cm. Wir vermuteten, daß wir den See durch tagelanges Schleppen und Werfen ausgepeitscht und den Bestand vergrämt hatten, vielleicht waren die großen Damen nach dem Laichen auch schon wieder hinaus ins Freiwasser gezogen. Wir beschlossen die Hechte im roundlake erst einmal in Ruhe zu lassen, wir schleppten also in Richtung Nord-Ost alle Kanten ab, diese Strecke kannte ich nicht so genau, wie das bisherige Revier, so daß wir wieder permanent mit Echolot fuhren.
Wir schleppten nun im Tiefwasser und rüsteten entsprechend die Ruten der Seeseite mit Tiefläufern um. Das brachte die Wende, wir bekamen gleichzeitig Bisse auf drei Ruten, konnten zwei - realisieren und drillten parallel mit weiter laufender Maschine, ich hängte meinen 70er schnell ab, setzte zurück und konzentrierte mich aufs Steuern, denn Kim hatte einen größeren Hecht am Haken, der Widerstand leistete, ich schaltete in die Leerlaufstellung um, dann war der 90er im Boot, Köder : rot / weißer Rapala sink.,18cm, aus der Big Game Box, der Fisch ging mit guten Wünschen zurück ins Wasser und wir rüsteten um, ich hatte noch einen rot / weißen Sliver, 22cm, in der Kiste, der das Süßwasser vorher wohl noch nie gesehen hatte und Kim kramte einen weißen Rapala Meereswobbler mit orangenen Streifen heraus, der Turus Ukko firetiger komplettierte nun das neue Schockprogramm. Wir diskutierten und beschlossen am nächsten Tag 3 zu 2, d.h. 3 x tief und 2 x flach zu fischen, Naturfarben flach, Schockfarben tief.
19:00, wir drehten um, über drei Stunden Rückfahrt lagen vor uns, aber erst einmal hatte Kim wieder einen besseren Hecht im Drill, weiß/orange à 86cm, Petri Heil und zurück ins Wasser. Auf dem Rückweg wieder kleinere Hechte in der 60er bis 70er Klasse im stetigen Wechsel an Maschine und Ruten.
21:20 Biß über einem ca. 12m tiefen Loch, bei einer Tiefe von sonst 6 bis 7m, das wir schon öfter überfahren hatten, der letzte Hecht des Tages durchbrach noch einmal die Metermarke à 1,05m, wir waren mehr als zufrieden und traten mit einem Tagesergebnis von 23 Hechten in schneller Fahrt und eingeholten Ruten den Heimweg an. 6. Tag, 04.05. Der gestrige Tag hatte sehr viel Kraftstoff gekostet, so mußten wir morgens erst einmal zum Tanken fahren und 30 l Benzin holen, das sollte uns dann wohl reichen.
Das Wetter war nicht sehr einladend, Regen, was nur herunter ging, dabei absolut windstill, der See glatt bis auf die Regentropfen. Also starteten wir gegen 11:00, es ließ sich mühsam an, wir fuhren Richtung Strandbad ohne einen Biß, gegen 13:00 fing Kim den ersten und einzigen Barsch der Woche mit 38cm auf einen 18cm, Rapala , jointed Barsch, den Köder verloren wir kurz darauf durch einen Hänger.
Bis zum Abend schleppten wir 14 Hechte, nur zwei davon mit 75cm, der Rest kleiner. Der Regen lies nach , es heiterte auf und wir erlebten noch einen schönen Sonnenuntergang. An diesem Abend hieß es dann schon wieder packen und reisefertig machen. 7. Tag, 05.05. Morgens verstauten wir alles bis auf zwei Rutenhalter, vier Ruten, zehn Köder, einige Stahlvorfächer.. Heute wollten wir noch einmal in den kleinen See, also verloren wir keine Zeit und fuhren mit Vollgas hin und bauten auf, wir warfen noch schnell die Kante ab und wurden jeder mit einem 65er belohnt. Dann ging es in den See hinein. Zwei Ruten in Rutenhaltern und jeder eine Rute in der Hand. Es lief wieder besser. Nach zwei Stunden hatten wir 10 Hechte zwischen 75 und 86 cm erwischt. Zufrieden. Rückfahrt, wir schleppten vier Ruten, im „Bermudadreieck“ lief es heute zum ersten Mal gut, die letzte 1⁄2 Stunde brachte noch einmal fünf – zwischen 78 und 85cm.
Gut gelaunt fuhren wir das letzte Mal zum Steg für dieses Jahr, legten an, demontierten den Motor, reinigten das Boot und slippten es an Land.