Gute Stellen und Methoden...

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30 Hechte über 5 Kg, 10 Stück über einen Meter und 5 Stück über 1,10 Meter konnte ich auf einem Flußabschnitt von ca. 3 Kilometern Länge in einem Jahr fangen... Ganz toll, werdet Ihr denken. Die ersten und gleichzeitig unanständigsten Fragen von vielen Anglern: „Wo haste die denn gefangen? Wie angelst du denn da?"

Um das Unanständige daran zu verstehen, bedarf es einer genaueren Erklärung. Auch mir fallen Fische nicht zu. Vielmehr ist der Fang kapitaler Fische erst der Abschluß jahrelanger Suche und Forschungsarbeit, sozusagen die Krönung systematischen Angelns und Erfahrungsaustauschs mit guten Angelfreunden. Ihr werdet es kaum glauben, aber ich bin den Rhein im Laufe der letzten 10 Jahre Stück für Stück von Duisburg bis weit nach Holland hinein abgelaufen. Mit der Zeit stellte sich eine gewisse Sicherheit bei der Auswahl guter Stellen ein. Leichte Außenkurven, Seemündungen, Hafengebiete, Altarme, aber auch viele unscheinbare Buhnen stellten sich als gute Stellen heraus, wenn sie steile Kanten, Holz oder etwas Struktur unter Wasser bieten. Das Auge ist auf gute Stellen geeicht, die Methodik ist inzwischen ausgereift.

 Für große Hechte kann ich inzwischen den idealen Standplatz konstruieren. Ich bin sicher, wenn ich den Fluß gestalten dürfte, ich würde mit 99 % iger Sicherheit einen Standplatz für Monsterhechte bauen können. Leider darf und kann ich das nicht, also muß ich diese Stellen suchen gehen. Seemündungen sind immer Top Standorte, werden aber von allen Anglern gern aufgesucht. Der Angeldruck ist dementsprechend groß, die Fangaussichten sind häufig deutlich reduziert. Nur neu zugewanderte Damen lassen sich dort ab und zu verführen.

Buhnen mit Großhechtstruktur sind dagegen häufig unberührt weil unerkannt. Dabei suche ich dann mit Hilfe des Echolotes fischreiche Buhnenfelder, die unter Wasser viel Struktur aufweisen. Idealerweise finde ich in der Ecke solcher Buhnen einen steinigen Absatz, sozusagen den Thron für die alte Dame, die Königin der Flußstrecke. Sie ist die Krönung meiner Such und Forschungsarbeit.

Dieser Absatz in der Buhnenecke sollte ca. 2 3 Meter tief liegen, die umliegenden Steinkanten sollten möglichst steil und die Strömung still oder schwach sein. Wenn diese Buhne außerdem noch viele Futtertische beherbergt, dann habt Ihr an solchen Plätzen Fanggarantie - sofern nicht zu großer Angeldruck herrscht...!

Leider gibt es solche Stellen nicht reichlich. Harte Arbeit und langes Suchen sind für das Auffinden solcher Top Plätze nötig. Zu Recht hüten viele gute Angler Ihre Erfahrungen wie ein Staatsgeheimnis, denn in dem Moment, wo es zu viele bzw. die falschen Angler wissen, wird der Angeldruck mit „der" Methode an „der" Stelle zu groß, der Erfolg bleibt aus. Das Erstaunliche an diesem Phänomen: Haben „Kollegen und Freunde" diese erforschten Stellen als die ihren auserwählt, wird der Angeldruck größer, beißt es plötzlich bei allen kaum noch, der Gesamtfang nimmt rapide ab.
Als besonderes Zeichen des Vertrauens, der Freundschaft und eigentlich nur als Gegenleistung für einen anderen guten Tip gibt ein guter Angler seine unter größten Mühen gesammelten Erfahrungen weiter. Das Risiko ist groß, daß so etwas in die Hose geht. Ich nehme nur Angler mit ans Wasser, die sich zum CATCH & RELEASE bekennen.

Ab und zu gibt es Probleme mit dem „guten Freund". Der möchte aber weder auf die vermittelten Erfahrungen, noch auf die Stelle und erst recht nicht auf Begleitung verzichten. Natürlich begibt sich dieser gute Freund mit einem neuen, anderen guten Freund ans Wasser. Irgendwann nimmt der neue, andere gute Freund weitere Freunde mit, irgendwo darin gibt es dann „Fleischmacher" oder einfach einige, die „ab und zu" mal einen Fisch für die Pfanne mitnehmen. Vielleicht sind es aber auch Angler mit guten Vorsätzen, die es einfach nicht verstehen, mit einem kapitalen Fisch umzugehen. Die Freude über einen großen Fische ist riesig, Fotos sollen die vermeintlich tolle Angelleistung dokumentieren, der für das Wasser und uns Angler so wertvolle Fisch tritt in den Hintergrund, er stirbt durch die Freude des Anglers und sein ungehemmtes Dokumentationsbestreben. Nein, dieser Angler ist dann kein Schlächter. Er ist sich auch keiner Schuld bewußt. Ihm fehlt einfach viel Einfühlungsvermögen und Verantwortungsgefühl. Für das Gewässer, den Fisch und ... den Angelkollegen, der ihm durch die Weitergabe seines Wissens überhaupt erst zu dem Fisch verholfen hat. Viele Angler werden sogar zu zweifelhaften „Möchtegern Profis". Durch viel Angelei fangen sie auch den einen oder anderen guten Fisch, nachdem sie an Stellen und in Angelmethoden eingewiesen worden sind. Aber fehlt da nicht etwas? Kann man sich denn gut fühlen, wenn man immer wieder auf die Informationen anderer zurückgreift? Als „richtiger" Angler betrete ich nicht unbedingt dauernd die Fußstapfen anderer. Als „richtiger" Angler bemühe ich mich, selbst „meine" Stellen und „meine" Methoden zu finden. Größten Erfolg im Team hat man nur dann, wenn jeder seinen Teil der Forschung und Stellensuche beiträgt und damit der Angeldruck von der einzelnen Stelle reduziert wird. Je weniger Angler an einer Stelle mit ein und derselben Methode fischen, desto größer wird der Fangerfolg des gesamten Teams sein.

Nur wer es versteht, auch innovativ zu sein und auch die Zeit, die Arbeit und den Mißerfolg beim Erforschen neuer Stellen nicht scheut, der wird regelmäßigen Erfolg im Team haben und ein gleichwertiger Freund und Partner für den in meinen Augen richtigen Angler sein!

Mit dem falschen Partner/Freund wird der Angler, der sich die Mühe des Forschens und Suchens gemacht hat, bald keine Fische mehr an der offenbarten Stelle fangen. Er geht wieder weiter suchen .... .

Stellt Euch vor, er findet neue Methoden, neue Gewässer und ist plötzlich wieder genauso erfolgreich oder gar noch erfolgreicher als vorher! Stellt Euch vor, der ehemalige gute Freund erfährt das und ruft wieder an: „Wo haste den gefangen?" „Womit haste den gefangen?"„Wir könnten ja mal wieder zusammen angeln gehen!"

Habt Ihr das Unanständige in der Frage verstanden?

Wie denkt Ihr, wird sich der aktive, erfolgreiche Angler äußern???

PS: Dies soll kein Aufruf zu Verschwiegenheit und Isolierung sein. Viel zu sehr herrschen in unseren Reihen Neid, Mißgunst und Egoismus vor. Ich habe selbst sehr stark darunter gelitten, daß ich mir als Jungangler vieles selbst erarbeiten mußte und freue mich über jeden Angler, der durch meine Hilfe erfolgreicher wird.

Ich versuche, an die Vernunft und das Einfühlungsvermögen aller erfolgreichen Angler zu appellieren. Es macht Spaß, den richtigen Leuten auch richtig viel zu zeigen.

Der gemeinsame Erfolg kann das Größte in einem guten Angelteam sein. „Wir" fangen viel mehr als „ich". Wenn „wir" beide es schaffen, uns beide gleich über jeden Fisch zu freuen, den „wir" gefangen haben, so ist das die beste Basis für ein äußerst erfolgreiches Angelteam.

Wenn „ich" aber alles allein mache und „ich" nur dazu da bin, „uns" mit Informationen zu versorgen, dann werden „wir" zusammen deutlich weniger fangen, als „ich" allein. Richtige Kollegen geben auch zurück, nehmen Rücksicht auf vertrauensvoll offenbarte Angelstellen und forschen selbst interessante Stellen und Methoden aus, gehen selbst auch den unbequemen Weg des Suchens und Forschens und nehmen auch Mißerfolge in Kauf, um „uns" auf lange Sicht vorwärts zu bringen. Dorthin nehmen Sie dann auch bevorzugt andere Freunde und Bekannten mit. Es ist nämlich höchst unfair und ein großer Vertrauensbruch, wenn man diskret anvertraute Methoden und Stellen weiterträgt. Erst derjenige, der Tage, Wochen und Monate damit verbracht hat, neue Stellen und Techniken herauszufinden, weiß gute Informationen zu schätzen und damit umzugehen. Er lernt auch, mit den ihm anvertrauten Stellen sorgsam umzugehen, sie als Teamkapital zu pflegen… .

Auch Angeln besteht immer aus einem ausgewogenen Geben und Nehmen...

Uli Beyer